Wohin mit dem Schwarzgeld?

 Manche Zeitgenossen, darunter Angestellte, Beamten, Unternehmer und Rentner, haben irgendwo einen Notgroschen liegen, den sie in der Steuererklärung noch nie angegeben haben. Dank dem Bankgeheimnis war das Risiko, vom Fiskus ertappt zu werden, hierzulande sehr gering und störte den ruhigen Schlaf selten bis nie. Seit in allen Medien und alltäglich aber von Steuersündern, Steuerhinterziehung, Steuerstreit und Steuerbussen die Rede ist, das Bankgeheimnis für Ausländer schon gefallen und die Einführung des automatischen Informationsaustauschs (AIA) beschlossene Sache ist, sorgt sich manch einer oder manch eine um sein oder ihr Schwarzgeld. Was soll damit in Zukunft nur geschehen? Die Zeit des ruhigen Schlafes ist deshalb für viele vorbei.

Noch lässt sich die Frage verdrängen, ob, wann und auf welchem Weg das Schwarzgeld legalisiert werden soll. Doch immer wieder tauchen die gleichen Fragen auf und stören immer häufiger den ruhigen Schlaf. Und in der Tat lässt sich die Suche nach Antworten auf diese bange Frage nicht mehr beliebig lang vor sich herschieben, denn auf der einen Seite rütteln die Steuerbehörden auch am Bankgeheimnis für uns Inländer und sie werden unter dem Titel der Weissgeldstrategie vom schweizerischen Bankenplatz ganz munter unterstützt. Während noch vor kurzem diametral gegenseitige Interessen verfochten wurden, begeben sich heute die Banken mit dem Fiskus unter die gleiche Decke. Der Paradigmenwechsel ist vollzogen und die Zeit ist reif, darüber auch im Klartext zu kommunizieren.

Vielen Leuten scheint es noch nicht bewusst geworden zu sein, dass der vieldiskutierte AIA, dem sich die Schweiz notgedrungen angeschlossen hat, bald auch für uns Inländer gefährlich werden kann.  Wer meint, davon seien nur Ausländer mit in der Schweiz herumliegendem Schwarzgeld betroffen, der irrt. Viele Inländer eröffneten ein Bankkonto in Deutschland, in Liechtenstein oder anderswo, das sie dem Fiskus verschwiegen. Am 1. Januar 2017 ist für sie das Versteckspiel vorbei, denn 2018 werden erstmals Daten über das Steuerjahr 2017 vom Ausland in die Schweiz fliessen. Der 31. Dezember 2017 ist daher der allerletzte Moment, um mit seiner Situation ins Reine zu kommen.

Die meisten Schweizer, die etwas „Schwarzes“ angehäuft haben, stehen nur mit inländischen Banken im Verkehr. Solche Leute dürfen derzeit noch etwas besser schlafen als jene mit finanziellen Auslandsbeziehungen. Für sie gilt nämlich das Bankgeheimnis weiterhin, so wenigstens vorläufig noch. Doch das widerspricht dem Interesse des Fiskus. Ist das Bankgeheimnis im Auslandverhältnis gefallen, weitet sich seine Begehrlichkeit darauf aus, das Bankgeheimnis auch im Inland zu knacken. Für die Banken ist die Handhabung zweier Systeme, AIA im Ausland- und Verrechnungssteuer im Inlandverhältnis, umständlich und aufwändig. Sie machen deshalb keinen Hehl daraus, sich davon befreien zu wollen. Und das Schwarzgeld schützen zu wollen, darf sich heutzutage auch kein Politiker mehr getrauen, will er noch für die nächste Amtsperiode gewählt werden.

In diesem Umfeld stehen die Zeitgenossen mit ihrem Schwarzgeld wahrlich schutzlos im Regen. Um ihre Interessen kümmert sich heute niemand mehr. Die einstige Vertrauensperson bei der Bank ist verpflichtet, deren Interesse zu verfolgen, und Kunden mit bekanntem oder erkennbarem Schwarzgeld sind zur Persona non grata verkommen. Entweder sie parieren, oder es wird die Beziehung von der Bank einseitig aufgelöst.

Im Inlandverhältnis sieht es heute freilich noch nicht so dramatisch aus. Aber es ist wichtig, die weitere Entwicklung in dieser Sache im Auge zu behalten. Der eine oder andere unserer Kunden hat mit seinem Versteckspiel – auch uns gegenüber – Schluss gemacht und wir haben für sie die notwendigen Formalitäten erledigt. Einen Teil der hinterzogenen Steuern mussten sie nachzahlen, doch sie wurden immerhin von Steuerbussen verschont.

Ob das klug war, lässt sich derezeit nur mit Blick auf den mit einem solchen Schritt wiedergewinnbaren ruhigen Schlaf beantworten. Aus rein finanzieller Sicht lohnt es sich vielleicht, mit einer Selbstanzeige noch zuzuwarten bis ein paar wichtige Aspekte besser geklärt sind. So gibt es Politiker, die bei der möglichen Einführung des AIA im Inlandverhältnis eine Generalamnestie für Steuersünder fordern. Und Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf hat dazu erklärt, dass diese Idee in der Verwaltung bereits diskutiert werde.